Obamas Slogan ist den Ulmer Wasserballern gerade gut genug. „Yes we can.“ Am Schwörmontag, wenn beim Nabada auf der Donau die Zillen an den unzähligen Zuschauern vorbeiziehen werden, werden den Spruch alle lesen können. Und sie werden den Superman-Darstellern zujubeln können, die um den über drei Meter hohen Aufbau herumspringen. Die Wasserballer sind zum ersten Mal mit einem eigenen Gefährt dabei, da müssen sie den Ulmern und Neu-Ulmern schon etwas bieten.
Auf dem Schiffsaufbau fehlt noch der Slogan
Am Freitag im Ulmer Bauhof unweit des „Atlantis“ wagen sich in der brütenden Hitze nur wenige aus ihren Löchern. Der Bauhof ist, bis am Montag endlich der traditionelle Wasserumzug der Ulmer beginnt, das Hauptquartier der Nabader. In der großen Lagerhalle wird überall gehämmert, gesägt und gemalt, jeden Abend nach der Arbeit strömten in der vergangenen Woche die Bastler herbei. Langsam wird die Zeit knapp. Doch Gregor Schmidt und Daniel Keim von den SSV-Wasserballern haben noch einiges vor. Als um ein Uhr die Tore für die Nabada-Bastler geöffnet wurden, waren sie unter den ersten Ankömmlingen. Doch jetzt erst mal eine kleine Pause zwischen herumliegenden Werkzeugen und Pinseln, die im Wassereimer liegen; der kreative Kopf des Wasserball-Teams ist noch nicht da. Noch fehlt das „Yes we can“ auf dem Aufbau. Dafür ist die andere Seite schon weitgehend fertig. Da quillen einem SSV-Fußballer die Geldscheine aus den Gesäßtaschen. Doch der Kicker steht noch im Leeren. „Wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir nur grünen Rasen oder besser das Höllenfeuer hinmalen sollen“, sagt Keim und grinst. Gerade erst sind er und seine Mannschaft zum vierten Mal hintereinander baden-württembergischer Pokalsieger geworden.
Wer beim Nabada eine der 14 Doppel-Zillen ergattert, gehört zu einem erlauchten Kreis. Die Gruppen und Vereine, die schon lange dabei sind, werden zuerst gefragt. Neue kommen nur selten zum Zug. „Als Berliner muss ich sagen, dass es schon eine Ehre ist, da mitmachen zu dürfen“, sagt Schmidt, dem auch nach zehn Jahren im Schatten des Münsters seine Herkunft noch deutlich anzuhören ist. Bislang schwammen die Wasserballer immer nur brav als normale „Wasserratza“ mit. „Seit ich denken kann, bin ich beim Nabada dabei“, sagt Keim, „am Anfang noch auf dem Schlauchboot.“ Es sei schon eine „coole Sache“, jetzt ein eigenes Themenschiff zu haben. Und es gebe ja auch etwas zu gewinnen. Mit dem Freibier wüssten die Wasserballer schon etwas anzufangen.
Das Material stellt zum größten Teil der Bauhof und auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter können die Nabader jederzeit zählen. „Die Leute vom Bauhof bleiben auch mal bis abends um halb neun da, wenn man sie braucht“, zeigt sich Keim beeindruckt. Auch die anderen Gruppen seien sehr hilfsbereit und unterstützen die Neulinge, wo es nur geht. Gleich nebenan werkelt die Narrenzunft an ihrem Bootsaufbau: einem Vogel Strauß, der den Kopf unwissend in den Sand steckt. Die Narren nehmen damit Ulms Baubürgermeister Alexander Wetzig aufs Korn. „Wir haben an den vergangenen Tagen immer etwa drei Stunden gearbeitet“, berichtet Stefan Sachs von der Narrenzunft - mit 14 Nabada-Teilnahmen ein echter Veteran. „Wichtig ist, dass man am Samstag weitgehend fertig ist.“
Für elf Mann gibt es nur sechs Kostüme
Die Wasserballer sind schon auf einem guten Weg. Und sie haben prominente Unterstützung: Superman - und das gleich doppelt. „Ist ja verschärft“, ruft Keim, als er seine beiden Vereinskameraden erblickt, die gleich im Kostüm zum Bauhof gefahren sind. In diesem Outfit sind die SSVler gut auf das Nabada vorbereitet. Bleibt nur ein Problem: Es gibt nur sechs Kostüme für die elfköpfige Bootsbesatzung. Gregor Schmidt: „Wir werden wahrscheinlich Streichhölzer ziehen müssen.“
Artikel: Neu-Ulmer Zeitung




